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Orchester

CRACK 2009

für großes Orchester

Erster Preis beim Kompositionswettbewerb der Hochschule für Musik Köln.
UA: Mai 2009 in der Hochschule für Musik Köln.
In Bezug auf „Ein Heldenleben“
Dauer: ca. 10 min

programmtext

Was ist das eigentlich für ein Held in Strauss’ Heldenleben? Wer ist heutzutage überhaupt heldenhaft und in welchem Kontext können Helden existieren?

Je mehr man diesen Fragen nachspürt, desto klarer wird die Tatsache, dass Helden einzig und allein Produkte der Medien sind, die wir erhalten oder verwerfen können. Doch funktioniert der Mechanismus der Heldenzeugung nicht nur in einer rasanten Geschwindigkeit, sondern auch sprunghaft und unkontrolliert. Was bleibt, ist ein Antrieb, ein Motor, das pure Bedürfnis nach Heldentaten, das den Menschen zu Selbstmaximierung und Selbstausbeutung zwingt.

An diesem Punkt setzt „CRACK“ ein und stellt einen musikalischen Kontext her, in dem der Umgang mit der Unkontrollierbarkeit und Bruchhaftigkeit in Material und Form zur kompositorischen Aufgabe wird. Im Titel ist die Triebfeder des Stückes somit schon vorhanden; CRACK bedeutet Bruch, bedeutet aber auch Stärke, denn Cracks sind in ihren Tätigkeitsfeldern unschlagbar.

Spieltechnische Grenzbereiche werden immer wieder zum Bewegungsfeld und stellen einen direkten Bezug zwischen Klang und der körperlichen Kraft der Erzeugung her. Das gesamte Stück wird somit zu einem extremen Kraftakt, der die Frage nach der Beziehung zwischen Kraft, Held-sein und Vergeblichkeit aufwirft. Es ist die Kluft zwischen einer auf uns einwirkenden Kraft, die uns zur Unterwerfung zwingt und einer uns innewohnenden Kraft, mit der wir uns auf die Suche begeben – die Suche nach einem Verhältnis zwischen dem Einzelnen und einer Gemeinschaft – oder musikalisch ausgedrückt, nach einer Form von Harmonie, nach ungewöhnlichen Klangräumen, die aus einer Diversität von Klang entstehen und nach Strukturen, die keine Ordnung erwarten, sondern einen Prozess.

Die Heldentat, die Strauss seinem Helden nicht gewährt wird in CRACK zum zentralen Ereignis der Dekonstruktion.

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