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Brigitta

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Bilderschlachten – Batailles d’Images: Sechs Stimmungen, Diktatoren zu versetzen

„Six moods to stand kings up“ für Tänzer, Streichquartett, Orchester, Zuspielung & Live-Elektronik

eine Zusammenarbeit mit Mouvoir / Stephanie Thiersch (Choreographie)

Die neue Zusammenarbeit zwischen Stephanie Thiersch und Brigitta Muntendorf (CITY DANCE 2016, THE SPECTACLE 2020) setzt sich mit der Gefräßigkeit unserer Zeit auseinander. Was passiert, wenn die Frage nach den Verhältnismäßigkeiten, nach dem wie viel und wie wenig nicht mehr zu beantworten ist? Wenn wir in einem Referenzsystem von Bekanntem die Orientierung verlieren und das Schöpferische in Frage stellen? In Zusammenarbeit mit dem Asasello Quartett und dem renommierten französischen Orchester Les Siècles und 8 TänzerInnen entsteht ein Ballett zum Ende der Welt, ein ballet noir, das zügellos in unserer Kulturgeschichte wildert. Das Monumentale und Verschlingende als Sinnbild für Macht und Patriarchat wird künstlerisch mit dem Versuch anstelle des Resultats, mit dem stillen, leisen Widerständigen verflochten.

Thiersch und Muntendorf wollen mit „Bilderschlachten“ ein Nachdenken über den Zustand permanenter Überladung provozieren. Ausgangspunkt ist die exzellent komponierte Zitatenansammlung des Komponisten Bernd Alois Zimmermann „Musique pour le souper du roi Ubu“ von 1968, ein musikalischer Gefahrenraum der Maßlosigkeit, des Vulgären und der Machtanhäufung. In einem neuen Prolog und Epilog Brigitta Muntendorfs betrachtet sie das System Orchester nicht als hierarchisches, sondern kollektives Prinzip. Mit Tänzern erarbeitet sie polyphone Proteschöre und setzt sie als Chor ein, das Asasello Quartet agiert performativ und in Wechselspiel mit Live-Elektronik.

Über die Musik

Warum Zimmermann?

B. A. Zimmermanns „Musique pour les soupers du Roi Ubu“ ist für mich nicht nur eines der originellsten Musikstücke, es ist zudem hoch politisch und aktueller je: denn so überfordernd und wildernd es auch daherkommen mag – es sind der Feinsinn und die Liebe zur Musik, die in jeder Note und ihrer Setzung zu finden sind. 

Mit Musique pour les soupers du Roi Ubu ist für mich das referentielle Komponieren geboren  –   mittels eines dekonstruierten Orchesters schafft Zimmermann hier ein Referenzsystem, das weit über eine Collage hinausgeht und an irgendeinem Punkt in dieser Musik, die fast ausschließlich aus Fremd-Zitaten besteht, mehr über Zimmermann und seine Zeit, als über sein Material erzählt. 

Zimmermann raubt uns den vermeintlichen Sinn, den wir uns in bekannten Musikformen für uns erhoffen

An irgendeinem Punkt gelangen wir zum „überhören“ – wir überhören das Lapidare wie das Patriarchale in der Musik, unsere Überforderung und Ermüdung lassen vorbeirauschende Fragmente von Märschen, Ouvertüren, Ohrwürmern, Auftakten und Abgesängen zu einer überkomplexen Polyphonie, vielleicht zu einer Kakophonie verschmelzen – es geschieht eine Nivellierung, die uns erst einmal etwas wegnimmt. Zimmermann raubt uns den vermeintlichen Sinn, den wir uns bekannten Musikformen für uns erhoffen. Er erzählt uns eine Geschichte darüber, dass alles, was uns einen Sinn ins Gesicht schreien will, uns gleichzeitig anlügt – denn es verschweigt, dass wir verletzlich, unbeständig, sterblich sind. 

Zimmermann lässt uns allein. 

Und wenn wir diesem Zustand des „Überhörens“ folgen und dranbleiben, dann können wir die Nivellierung plötzlich neu definieren, neu hören und zu dem eigentlichen Moment des „Überhörens“ als eine übergeordnetes Hören kommen, in dem Musik in Referenzen zu uns spricht und einen ständigen Abgleich zwischen dem, was wir kennen, mit der Situation, in der wir uns befinden und den Veränderungen, die wir in dieser Situation wahrnehmen, auseinandersetzen.

Sechs Stimmungen, Diktatoren zu versetzen / Six moods to stand kings up

In „Sechs Stimmungen, Diktatoren zu versetzen / six moods to stand kings up“ habe ich diesen Moment kompositorisch ins Zentrum gerückt und bin heute, 50 Jahre nach Musique pour les soupers du Roi Ubu, der Frage nachgegangen, der schon Zimmermann nachgegangen ist: Wie können Klang und Konnotationen, Instrumentation und Raum unser Dasein als Individuen und gemeinschaftliche Wesen erfahrbar machen und einen Dialog über Selbstbestimmtheit und Kollektiv gegenüber Macht und Ohnmacht eröffnen?

Ich habe die gleiche Besetzung wie Zimmermann verwendet – ein Orchester ohne hohe Streicher und Celli, dafür viele Blasinstrumente, die ebenso laut tönen wie sie im pianissimo wegzubrechen drohen. In der ersten Stimmung begegnen wir dem Orchester und dem Streichquartett im Raum – ebenso wie MusikerInnen im Raum verteilt sind, teilen sie den Raum mit uns. Es ist eine Utopie, die ich hier klanglich formuliere. Hierarchie als vagierender Akkord aus Klang oder Geräusch, als Einzelaktion oder Gruppenkomposition, dynamisch, stark und ebenso zerbrechlich. Die MusikerInnen sind hinter, neben, je nach Aufführungsort auch über oder unter uns. Sie reichen ihre Klänge weiter, sie folgen einem Schattendirigat, sie brechen aus, übernehmen, verweilen, bleiben zurück. Ich möchte Orchester am liebsten nur noch um mich herum hören – das möchte ich als Komponistin. Aber ich möchte vor allem, dass Hierarchie als flexibles und dynamisches System verstanden und gelebt werden kann – das möchte ich als Mensch.

Live-Elektronik und Physis

In der zweiten Stimmung „Chiral Spiral“ schält sich das Streichquartett aus dem Orchester heraus – das Streichquartett als Formation des Intimen, das anfänglich mittels Live-Elektronik und Verstärkung den Orchesterklang übertönt, vier gegen 45, sich behauptet und kurz vor Beginn des Zimmermanns eine Transformation abschließt, in der Physis und Präsenz jeglicher Verstärkung, Verklärung und Manipulation trotzt.  

Komposition als Boykott als soziales Moment

In der Mitte von Zimmermanns Roi Übu erklingt die dritte Stimmung – der Dirigent wird von einer Musikerin von seinem Platz verdrängt, das Orchester erhebt seine Stimmen, bildet Lager und lässt in der Sprachkomposition „conductus“ eine Klangkulisse zwischen Fussballstadion und Demonstration entstehen. Conductus habe ich meinem Ballett für Eleven (Ensemble Modern / Donauerschinger Musiktage 2018) entlehnt und neu bearbeitet. Mit dieser dritten Stimme wird auch Zimmermanns Komposition durchbrochen – er kann seine Musik nicht selbst durchbrechen, da der Bruch, das Fragmentarische sein Mittel ist. Er würde sich selbst seiner Maschinerie ausliefern und einverleibt werden –  das kann in diesem Fall nur ich tun, als Komponistin, die sich seinem Material zuwendet und an dieser Stelle den Bruch am Zimmermann wagt, seine Techniken auf sein Werk selbst anwendet und ihn somit auf einer Metaebene – und das ist genau so gemeint – vom Vorwurf eines weiteren Roi Ubu auf künstlerischer Ebene entlastet. Denn hier besteht ein hochspannender Konflikt, besagt Zimmermanns Partitur doch, dass in den Couplets zwischen den Sätzen keine Musik und maximal nur eine Minute Aktion stattfinden darf. Er begründet dies aber nicht. Ich hätte das sicherlich auch so gemacht, hätte mich aber gleichzeitig auch gefreut, wenn jemand dies mit einem Impetus übergeht, der meinem Anliegen folgt.

Es ist ein Schlüsselmoment in der Inszenierung von Batailles d’Images – mit dem Boykott fällt auch der Dirigent, findet sich allein auf der Bühne wieder und eine Tänzerin übernimmt das Dirigat, bevor sie durch seine Rückkehr, verdrängt oder vielleicht auch sanft beiseitegeschoben das Pult verlässt. Der Rhythmus als Keimzelle wird ab diesem Zeitpunkt von den TänzerInnen weitergetragen, wenn sie sich über Atem artikulieren und diesen zu der musikalisch-choreographische Komposition „L’état c’est moi“ steigern – polyphone Demonstration, dessen Rhythmus sich über die letzten Sätze Zimmermanns legt und ihn als Bild und Klang der eigenen Kraft überdauert. 

Ein Orchester, das aus den Körpern schallt, live und doch abgespielt

In der fünften Stimmung sind wir im Zustand der Entäußerung, wie auch Entfremdung angekommen. Bevor sich jeglicher Organismus auf der Bühne neu formieren kann, habe ich  Zitate von Zimmermann – oder sind es Zitate von Wagner, Bach & Co? – musikalischen (analogen) Verfahrensweisen unterzogen, die in der Popkultur allgegenwärtig sind– Verschnellerung, Stretching, Sampling, Looping, Mickey-Mousing, Pitch-Shifting und dementsprechend auf die Instrumente übertragen. Ein Orchester, das aus den Körpern schallt, Lip-Synced, live und doch abgespielt.

Komposition von Fähigkeiten

Ein Tänzer tritt in den Vordergrund und lässt seine Countertenor-Stimme erklingen – für ihn habe ich die folgende Monodie geschrieben, die die letzte Stimmung einleitet: Eine große Transformation von der Monodie über einen zur Ballade verklärten Punk-Song, eine Agitation des Streichquartetts bis hin zu einer Instrumentation des Trauermarsches von Chopin. Verschiedene TänzerInnen singen ihre Soli über das Lamento, auf den Leib geschrieben und kontextualisiert. Die Trennung zwischen PerformerIn und dem Menschen dahinter ist hier nicht mehr gegeben. Ganz gleich, ob in den Rhythmuskomposition vorangegangener Stimmungen, in der Ballade oder im Trauermarsch – die Stimmen der TänzerInnen sind alle in gemeinsamer Arbeit entwickelt und geformt worden. Erst dann kann die Herausforderung beginnen, erst dann kommt Gesangstraining, Sprechtraining, Artikulationstraining hinzu und gesellt sich zwischen Kompositions- und Erarbeitungsprozess.

Trauer und Klang

Der Trauermarsch von Chopin erklingt in einer klagenden und sich kontinuierlich abtragenden Instrumentation. Der Marsch verliert seine SpielerInnen und transformiert sich dadurch immer wieder in seiner Klanglichkeit, wenn die MusikerInnen nach und nach ihr Instrument beiseitelegen, den Platz verlassen und sich einer Prozession auf der Bühne anschließen.  Wenn am Ende nur noch Harfe und vier Kontrabässe übrigbleiben, die in höchsten Flageoletts die Melodie versuchen zu erhalten, kann auch das Leid in der Hervorbringung von Klang nicht mehr kaschiert werden.

Es ist der Abschied, der Verbindungen schafft, es ist die Erkenntnis, dass Bedeutungen verloren gehen, sich unaufhörlich transformieren. Beethovens Quartett der Ewigkeit, das in diesem Moment seit den 70er Jahren mit Voyager 1 und 2 im All umherfliegt und Außerirdischen einen Eindruck von der Menschheit geben soll, erklingt live-elektronisch verzerrt vom Asasello Quartett, als würde jemand einen Plattenspieler irgendwo im Raum aufgestellt haben. Vinyl ist die Sprache im Zelebrieren der Gegenwart. Fast ein Jahrhundert gehe ich zurück, um Macht und Ohnmacht über Musik und ihre Wiedergabe erfahrbar zu machen – und auch um meiner Überzeugung, Verzweiflung und gleichzeitigen Hoffnung darüber Ausdruck zu verleihen, dass „Musik-Geschichte“ als untrennbare Player im Begriff des „Contemporary“ verbunden sind.

Choreography/Direction: Stephanie Thiersch 
Musical Direction/Composition: Brigitta Muntendorf
premiere: 09.05.2019  Théâtre de Nîmes (FR)
further performances: 10.05.2019 Théâtre de Nîmes (FR) 
21.09.2019 & 22.09.2019 Beethoven Fest Bonn
orchestra: Les Siècles
conductor: Benjamin Shwartz
Asasello Quartett: Rostislav Kozhevnikov (1. Violin), Barbara Streil (2. Violin), Teemu Myöhänen (Cello), Justyna Śliwa (Viola) 
Light design: Begoña Garcia Navas
Choreography/Performance: Fabien Almakiewicz, Neus Barcons, Alexis ‚Maca’ Fernández, Julien Ferranti, Gyung Moo Kim, Alexandra Naudet, Camille Revol, Joel Suárez Gómez
Choreographic Assistance: Marcela Ruíz Quintero
Costume Design: Sita Messer
Photography: Martin Rottenkolber
Management: Tanja Baran, Béla Bisom
Production Management: Karolin Henze, Anna-Mareen Henke

CREDITS

In Koproduktion mit: 
Théâtre de Nîmes (F)
Beethovenfest Bonn
tanzhaus nrw Düsseldorf
ensemblenetzwerk Freihandelszone

Rezensionen / Presse


current works

Bilderschlachten – Batailles d’Images: Six moods to stand kings up

„Sechs Stimmungen, Diktatoren zu versetzen“ for dancers, string quartet, orchestra and electronics

a collaboration with Mouvoir / Stephanie Thiersch (choreography)

Choreography/Direction: Stephanie Thiersch 
Musical Direction/Composition: Brigitta Muntendorf
premiere: 09.05.2019  Théâtre de Nîmes (FR)
further performances: 10.05.2019 Théâtre de Nîmes (FR) 
21.09.2019 & 22.09.2019 Beethoven Fest Bonn
orchestra: Les Siècles
conductor: Benjamin Shwartz
Asasello Quartett: Rostislav Kozhevnikov (1. Violin), Barbara Streil (2. Violin), Teemu Myöhänen (Cello), Justyna Śliwa (Viola) 
Lightdesign: Begoña Garcia Navas
Choreography/Performance: Fabien Almakiewicz, Neus Barcons, Alexis ‚Maca’ Fernández, Julien Ferranti, Gyung Moo Kim, Alexandra Naudet, Camille Revol, Joel Suárez Gómez
Choreographic Assistance: Marcela Ruíz Quintero
Costume Design: Sita Messer
Photography: Martin Rottenkolber
Management: Tanja Baran, Béla Bisom
Production Management: Karolin Henze, Anna-Mareen Henke

about

The new cooperation between Brigitta Muntendorf and Stephanie Thiersch (CITY DANCE 2016, THE SPECTACLE 2020) reflects on voraciousness. What if we lose our orientation in a reference system of knownness and allow questioning the creative? In collaboration with the Asasello Quartet and the renowned French orchestra Les Siècles and 8 dancers, a ballet is born for the end of the world, a ballet noir, wildly poaching in our cultural history. The monumental and devouring as a symbol of power and patriarchy is artistically intertwined with the attempt instead of the result, with quiet resistance and relinkage to nature.

Thiersch and Muntendorf want to provoke a reflection on the state of permanent overload with “Batailles d’Images/Picture battles”. The starting point is the excellently composed quotation collection of the German composer Bernd Alois Zimmermann “Musique pour le souper du roi Ubu” (1968), a musical danger zone of excess, vulgarity and the accumulation of power. Muntendorf reflects in a prologue and an epilog the view on an orchestra as a collective and as human bodies, reflects quotation, club culture and high culture, works with the dancers as a choir and extends the string quartet with live-electronics.

Über die Musik

Warum Zimmermann?

B. A. Zimmermanns „Musique pour les soupers du Roi Ubu“ ist für mich nicht nur eines der originellsten Musikstücke, es ist zudem hoch politisch und aktueller je: denn so überfordernd und wildernd es auch daherkommen mag – es sind der Feinsinn und die Liebe zur Musik, die in jeder Note und ihrer Setzung zu finden sind. 

Mit Musique pour les soupers du Roi Ubu ist für mich das referentielle Komponieren geboren  –   mittels eines dekonstruierten Orchesters schafft Zimmermann hier ein Referenzsystem, das weit über eine Collage hinausgeht und an irgendeinem Punkt in dieser Musik, die fast ausschließlich aus Fremd-Zitaten besteht, mehr über Zimmermann und seine Zeit, als über sein Material erzählt. 

Zimmermann raubt uns den vermeintlichen Sinn, den wir uns in bekannten Musikformen für uns erhoffen

An irgendeinem Punkt gelangen wir zum „überhören“ – wir überhören das Lapidare wie das Patriarchale in der Musik, unsere Überforderung und Ermüdung lassen vorbeirauschende Fragmente von Märschen, Ouvertüren, Ohrwürmern, Auftakten und Abgesängen zu einer überkomplexen Polyphonie, vielleicht zu einer Kakophonie verschmelzen – es geschieht eine Nivellierung, die uns erst einmal etwas wegnimmt. Zimmermann raubt uns den vermeintlichen Sinn, den wir uns bekannten Musikformen für uns erhoffen. Er erzählt uns eine Geschichte darüber, dass alles, was uns einen Sinn ins Gesicht schreien will, uns gleichzeitig anlügt – denn es verschweigt, dass wir verletzlich, unbeständig, sterblich sind. 

Zimmermann lässt uns allein. 

Und wenn wir diesem Zustand des „Überhörens“ folgen und dranbleiben, dann können wir die Nivellierung plötzlich neu definieren, neu hören und zu dem eigentlichen Moment des „Überhörens“ als eine übergeordnetes Hören kommen, in dem Musik in Referenzen zu uns spricht und einen ständigen Abgleich zwischen dem, was wir kennen, mit der Situation, in der wir uns befinden und den Veränderungen, die wir in dieser Situation wahrnehmen, auseinandersetzen.

Sechs Stimmungen, Diktatoren zu versetzen / Six moods to stand kings up

In „Sechs Stimmungen, Diktatoren zu versetzen / six moods to stand kings up“ habe ich diesen Moment kompositorisch ins Zentrum gerückt und bin heute, 50 Jahre nach Musique pour les soupers du Roi Ubu, der Frage nachgegangen, der schon Zimmermann nachgegangen ist: Wie können Klang und Konnotationen, Instrumentation und Raum unser Dasein als Individuen und gemeinschaftliche Wesen erfahrbar machen und einen Dialog über Selbstbestimmtheit und Kollektiv gegenüber Macht und Ohnmacht eröffnen?

Ich habe die gleiche Besetzung wie Zimmermann verwendet – ein Orchester ohne hohe Streicher und Celli, dafür viele Blasinstrumente, die ebenso laut tönen wie sie im pianissimo wegzubrechen drohen. In der ersten Stimmung begegnen wir dem Orchester und dem Streichquartett im Raum – ebenso wie MusikerInnen im Raum verteilt sind, teilen sie den Raum mit uns. Es ist eine Utopie, die ich hier klanglich formuliere. Hierarchie als vagierender Akkord aus Klang oder Geräusch, als Einzelaktion oder Gruppenkomposition, dynamisch, stark und ebenso zerbrechlich. Die MusikerInnen sind hinter, neben, je nach Aufführungsort auch über oder unter uns. Sie reichen ihre Klänge weiter, sie folgen einem Schattendirigat, sie brechen aus, übernehmen, verweilen, bleiben zurück. Ich möchte Orchester am liebsten nur noch um mich herum hören – das möchte ich als Komponistin. Aber ich möchte vor allem, dass Hierarchie als flexibles und dynamisches System verstanden und gelebt werden kann – das möchte ich als Mensch.

Live-Elektronik und Physis

In der zweiten Stimmung „Chiral Spiral“ schält sich das Streichquartett aus dem Orchester heraus – das Streichquartett als Formation des Intimen, das anfänglich mittels Live-Elektronik und Verstärkung den Orchesterklang übertönt, vier gegen 45, sich behauptet und kurz vor Beginn des Zimmermanns eine Transformation abschließt, in der Physis und Präsenz jeglicher Verstärkung, Verklärung und Manipulation trotzt.  

Komposition als Boykott als soziales Moment

In der Mitte von Zimmermanns Roi Übu erklingt die dritte Stimmung – der Dirigent wird von einer Musikerin von seinem Platz verdrängt, das Orchester erhebt seine Stimmen, bildet Lager und lässt in der Sprachkomposition „conductus“ eine Klangkulisse zwischen Fussballstadion und Demonstration entstehen. Conductus habe ich meinem Ballett für Eleven (Ensemble Modern / Donauerschinger Musiktage 2018) entlehnt und neu bearbeitet. Mit dieser dritten Stimme wird auch Zimmermanns Komposition durchbrochen – er kann seine Musik nicht selbst durchbrechen, da der Bruch, das Fragmentarische sein Mittel ist. Er würde sich selbst seiner Maschinerie ausliefern und einverleibt werden –  das kann in diesem Fall nur ich tun, als Komponistin, die sich seinem Material zuwendet und an dieser Stelle den Bruch am Zimmermann wagt, seine Techniken auf sein Werk selbst anwendet und ihn somit auf einer Metaebene – und das ist genau so gemeint – vom Vorwurf eines weiteren Roi Ubu auf künstlerischer Ebene entlastet. Denn hier besteht ein hochspannender Konflikt, besagt Zimmermanns Partitur doch, dass in den Couplets zwischen den Sätzen keine Musik und maximal nur eine Minute Aktion stattfinden darf. Er begründet dies aber nicht. Ich hätte das sicherlich auch so gemacht, hätte mich aber gleichzeitig auch gefreut, wenn jemand dies mit einem Impetus übergeht, der meinem Anliegen folgt.

Es ist ein Schlüsselmoment in der Inszenierung von Batailles d’Images – mit dem Boykott fällt auch der Dirigent, findet sich allein auf der Bühne wieder und eine Tänzerin übernimmt das Dirigat, bevor sie durch seine Rückkehr, verdrängt oder vielleicht auch sanft beiseitegeschoben das Pult verlässt. Der Rhythmus als Keimzelle wird ab diesem Zeitpunkt von den TänzerInnen weitergetragen, wenn sie sich über Atem artikulieren und diesen zu der musikalisch-choreographische Komposition „L’état c’est moi“ steigern – polyphone Demonstration, dessen Rhythmus sich über die letzten Sätze Zimmermanns legt und ihn als Bild und Klang der eigenen Kraft überdauert. 

Ein Orchester, das aus den Körpern schallt, live und doch abgespielt

In der fünften Stimmung sind wir im Zustand der Entäußerung, wie auch Entfremdung angekommen. Bevor sich jeglicher Organismus auf der Bühne neu formieren kann, habe ich  Zitate von Zimmermann – oder sind es Zitate von Wagner, Bach & Co? – musikalischen (analogen) Verfahrensweisen unterzogen, die in der Popkultur allgegenwärtig sind– Verschnellerung, Stretching, Sampling, Looping, Mickey-Mousing, Pitch-Shifting und dementsprechend auf die Instrumente übertragen. Ein Orchester, das aus den Körpern schallt, Lip-Synced, live und doch abgespielt.

Komposition von Fähigkeiten

Ein Tänzer tritt in den Vordergrund und lässt seine Countertenor-Stimme erklingen – für ihn habe ich die folgende Monodie geschrieben, die die letzte Stimmung einleitet: Eine große Transformation von der Monodie über einen zur Ballade verklärten Punk-Song, eine Agitation des Streichquartetts bis hin zu einer Instrumentation des Trauermarsches von Chopin. Verschiedene TänzerInnen singen ihre Soli über das Lamento, auf den Leib geschrieben und kontextualisiert. Die Trennung zwischen PerformerIn und dem Menschen dahinter ist hier nicht mehr gegeben. Ganz gleich, ob in den Rhythmuskomposition vorangegangener Stimmungen, in der Ballade oder im Trauermarsch – die Stimmen der TänzerInnen sind alle in gemeinsamer Arbeit entwickelt und geformt worden. Erst dann kann die Herausforderung beginnen, erst dann kommt Gesangstraining, Sprechtraining, Artikulationstraining hinzu und gesellt sich zwischen Kompositions- und Erarbeitungsprozess.

Trauer und Klang

Der Trauermarsch von Chopin erklingt in einer klagenden und sich kontinuierlich abtragenden Instrumentation. Der Marsch verliert seine SpielerInnen und transformiert sich dadurch immer wieder in seiner Klanglichkeit, wenn die MusikerInnen nach und nach ihr Instrument beiseitelegen, den Platz verlassen und sich einer Prozession auf der Bühne anschließen.  Wenn am Ende nur noch Harfe und vier Kontrabässe übrigbleiben, die in höchsten Flageoletts die Melodie versuchen zu erhalten, kann auch das Leid in der Hervorbringung von Klang nicht mehr kaschiert werden.

Es ist der Abschied, der Verbindungen schafft, es ist die Erkenntnis, dass Bedeutungen verloren gehen, sich unaufhörlich transformieren. Beethovens Quartett der Ewigkeit, das in diesem Moment seit den 70er Jahren mit Voyager 1 und 2 im All umherfliegt und Außerirdischen einen Eindruck von der Menschheit geben soll, erklingt live-elektronisch verzerrt vom Asasello Quartett, als würde jemand einen Plattenspieler irgendwo im Raum aufgestellt haben. Vinyl ist die Sprache im Zelebrieren der Gegenwart. Fast ein Jahrhundert gehe ich zurück, um Macht und Ohnmacht über Musik und ihre Wiedergabe erfahrbar zu machen – und auch um meiner Überzeugung, Verzweiflung und gleichzeitigen Hoffnung darüber Ausdruck zu verleihen, dass „Musik-Geschichte“ als untrennbare Player im Begriff des „Contemporary“ verbunden sind.

Allgemein

Ballett für Eleven

for 11 musicians, video projections and fixed media

premiere: Donaueschinger Musiktage 2018
ensemble: Ensemble Modern
conductor: by Bas Wiegers
conception, video, composition, direction: Brigitta Muntendorf
live video: Warped Type
costumes: Sita Messer
duration: 30 min

Trailer

more infos coming soon

Gerhard R. Koch, über die Donaueschingen Musiktage 2019, nmz:

„Den anderen audiovisuellen Höhepunkt bildete Brigitta Muntendorfs „Ballett für Eleven“, das in anderer Weise konträre Welten verschränkt: mythischer Video-Waldspaziergang, Paar-Prozession, surreale Metamorphosen von Mensch und Instrument, das Ensemble Modern als Horror-Gang weißperückiger Klone. Körper, Klänge, Aktionen und Bilder erscheinen hier permanent gekreuzt: zur bunten „Schwarzen Messe“. Der leicht morbid-buffoneske Live-Anteil wirkt gegenüber der ungemein perfektionistischen Aperghis-Ästhetik ein klein wenig widerständiger. Trotzdem entsteht keineswegs der Eindruck einer womöglich immer noch deutsch-romantischen, wagnerianisch überwältigend identifikationsheischenden Espressivo-Ästhetik.“

Kristin Amme, über die Donaueschingen Musiktage, „Mehr Mut“, Bayrischer Rundfunk:

„Im „Ballett für Eleven“ von Brigitta Muntendorf war Technologie ein wichtiges Vehikel: Verstörend bis zum Schlingensief-haften boten das Ensemble Modern szenisches Theater – fantasievoll und im positiven Sinne überfordernd, dazu Sounds aus dem Hier und Jetzt.“

Allgemein

keep quiet and dance #3 (2018/19)

for voice, percussion and string ensemble (3.3.3.2.1) and tape

premiere: Ensemble Resonanz & Derya Yildirim, 29.04.2019 Elbphilharmonie Hamburg

duration: 8:30 min

technical setup: all instruments are amplified, voice with effect device, tape

CHECK OUT THE OTHER VERSIONS

keep quiet and dance (2018, original version)

for voice, clarinet, violin, cello and electronics
duration: 7:30 min

keep quiet and dance #1 (2018/2019)

for voice, clarinet, percussion, violin, cello and electronics
duration: 7:30 min

keep quiet and dance #2 (2018/2019)
for 4-channel voice, flute, clarinet, saxophone, percussion, violin, viola, cello, video & fixed media
duration: 14:00 min

ORIGINAL VERSION:


about

Keep quiet and dance was originally written for the European-Egyptian Contemporary Music Ensemble and the singer Kamilya Jubran.
The piece follows the idea of a song developing it’s own rules by denying and incorporating different kinds of material and building it’s own musical consistency. The title is a quotation of  the last words of Electra when she died. She’s a kind of opposite figure to Nawal Saadawi, who’s voice appears as a second layer in the piece. These two female figures are representing the powerful force of reaching a state of impersonality by following the idea of a rebellion. But the forces behind are very different: Electras enormous uncontrolled force, leaded by feelings of hate and revenge and Saadawis calm and resistant moves towards a better society are two very present polarities determining social  and political developments.
keep quiet and dance follows the idea of an open work – I re-write, re-work on it for different contexts, for different singers with different cultural backgrounds, for different formats of presentation.

Allgemein

keep quiet and dance #2

for 4-channel voice, flute, clarinet, saxophone, percussion, violin, viola, cello, video & fixed media

premiere: Ensemble Garage, Tonlagenfestival Hellerau, 23.03.2019

duration: 14:00 min

technical setup: all instruments are amplified, voice with effect device, 4-channel tape, electric transformation of marimba sound

CHECK OUT THE OTHER VERSIONS

keep quiet and dance (2018, original version)

for voice, clarinet, violin, cello and electronics
duration: 7:30 min

keep quiet and dance #1 (2018/2019)

for voice, clarinet, percussion, violin, cello and electronics
duration: 7:30 min

keep quiet and dance #3 (2018/2019)
for voice, percussion and string ensemble (3.3.3.2.1) and tape

ORIGINAL VERSION:

about

Keep quiet and dance was originally written for the European-Egyptian Contemporary Music Ensemble and the singer Kamilya Jubran.
The piece follows the idea of a song developing it’s own rules by denying and incorporating different kinds of material and building it’s own musical consistency. The title is a quotation of  the last words of Electra when she died. She’s a kind of opposite figure to Nawal Saadawi, who’s voice appears as a second layer in the piece. These two female figures are representing the powerful force of reaching a state of impersonality by following the idea of a rebellion. But the forces behind are very different: Electras enormous uncontrolled force, leaded by feelings of hate and revenge and Saadawis calm and resistant moves towards a better society are two very present polarities determining social  and political developments.
keep quiet and dance follows the idea of an open work – I re-write, re-work on it for different contexts, for different singers with different cultural backgrounds, for different formats of presentation.

audio visual performance club culture experimental music contemporary songs stimme und video voice and ensemble zeitgenössische Musik und Club

keep quiet and dance #1 (2018/19)

for voice, clarinet, percussion, violin, cello and electronics

premiere: Nemø ensemble, 03.05.2019, Bijloke Campus Ghent

duration: 7:30 min

technical setup: all instruments are amplified, voice with effect device, tape

CHECK OUT THE OTHER VERSIONS

keep quiet and dance (2018, original version)

for voice, clarinet, violin, cello and electronics
duration: 7:30 min

keep quiet and dance #2 (2018/2019)

for 4-channel voice, flute, clarinet, saxophone, percussion, violin, viola, cello, video & fixed media
duration 14 min

keep quiet and dance #3 (2018/2019)
for voice, percussion and string ensemble (3.3.3.2.1) and tape

ORIGINAL VERSION:

about

Keep quiet and dance was originally written for the European-Egyptian Contemporary Music Ensemble and the singer Kamilya Jubran.
The piece follows the idea of a song developing it’s own rules by denying and incorporating different kinds of material and building it’s own musical consistency. The title is a quotation of  the last words of Electra when she died. She’s a kind of opposite figure to Nawal Saadawi, who’s voice appears as a second layer in the piece. These two female figures are representing the powerful force of reaching a state of impersonality by following the idea of a rebellion. But the forces behind are very different: Electras enormous uncontrolled force, leaded by feelings of hate and revenge and Saadawis calm and resistant moves towards a better society are two very present polarities determining social  and political developments.
keep quiet and dance follows the idea of an open work – I re-write, re-work on it for different contexts, for different singers with different cultural backgrounds, for different formats of presentation.

club culture experimental music

Shiva Feshareki und Akiko Ahrendt

16.12.2018 Shiva Feshareki & Sabine Akiko Ahrendt @ Artheater Cologne

 

Die diesjährige Ausgabe der Kölner Konzertreihe FRAU MUSICA NOVA präsentiert einen internationalen Szene-Star im gemeinsamen Groove mit einer Kölner Spezialistin für Neue Musik und Performance.

Die britsche Künstlerin Shiva Feshareki ist Komponistin und Turntable-Virtuosin. Sie gilt als eine der derzeit interessantesten Entdeckungen im Bereich zeitgenössischer Musik und elektronischer Clubmusik. Gemeinsam mit Akiko Ahrendt, Geigerin und Performancekünstlerin von Ensemble Garage, tritt die Gewinnerin des British Composer Award 2017 jetzt im Kölner Artheater auf.

Brigitta Muntendorf, künstlerische Leiterin von FRAU MUSICA NOVA ermöglicht mit der Einladung von Shiva Feshareki nicht nur deren Deutschland-Debüt, sondern auch eine spannende Kooperation mit der Kölnerin Akiko Ahrendt. Die beiden Musikerinnen entwickeln speziell für den Autritt im Artheater ein Live-Set, das als Resultat einer „Community of Practice“ eine echte Köln-Premiere wird.

Ein Pre-Showing von FRAU MUSICA NOVA findet am 14. Dezember in Dresden im Europäischen Zentrum für Künste HELLERAU statt.

Fr, 14.12.2018 | 20.00 Uhr HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste

So, 16.12.2018 | 21.00 Uhr | Artheater Köln (D)

Weitere Informationen unter Frau Musica nova

 

audio visual performance club culture experimental music multimediale werke solowerke mit Elektronik stimme und video voice and ensemble werke zwei Klaviere und Elektronik

kleine formationen

KreisIncrease (2018)

for two pianos, tape and live-electronics

Keep quiet and dance (2018)

für Stimme, Klarinette, Violine, Violoncello und Elektronik

Keep quiet and dance #1 (2018/19)

für Stimme, Klarinette, Schlagwerk, Violine, Violoncello und Elektronik

Keep quiet and dance #2 (2018/19)

für 4-kanal Stimme, Flöte, Klarinette, Saxophon, Schlagwerk, Violine, Viola, Cello und fixed media

#AsPresentAsPossible (2017)

performer, piano, drumset, video und Elektronik

key of absence (2017)

für zwei Klaviere, Live-Elektronik und Zuspielung

Public Privacy #6: voice – bright no more (2017)

Performance Szene für Sängerin, Video und Elektronik

Public Privacy #5 Aria (2016)

für synthesizer und live video

Public Privacy #4 Leap in the dark (2015)

für E-Gitarre, Video und Zuspielung

play me back and forth (2015)

für Sopran, Klarinette, Cello, Sampler, Drumset, E-Zither, Video & Elektronik

Key of presence (2014/15)

für zwei Klaviere, Zuspielung und Live-Elektronik

Public Privacy #1: Flute Cover (2013)

für Flöte, Video und Zuspielung

Public Privacy #2: Piano Cover (2013)

für Keyboard, Video und Zuspielung

Public Privacy #3: Trumpet Cover (2014)

für Trompete, Video, Tape und Live-Elektronik

shivers on speed (2013)

für Bassflöte, Bassklarinette, Violine, Violoncello und Klavier

behind her back (2012/13)

für Solo-Schlagwerk, Flöte, Klarinette, Viola, Posaune, Klavier und 2 Lichtspieler

Rundumschlag# (2012)

für Flöte, E-Gitarre, Piano, Schlagwerk, Violine und Violoncello

durchhören (2010)

für Klarinette, Bassklarinette, Oboe, Saxophon und Fagott

Yes, Master (2011)

für vier Performer und Zuspiel

hin und weg (2010)

für Sopran und Cello

Hinterhall (2009)

für Saxophon und Schlagwerk, Live-Video und Lichtgeneratoren.
Video/Licht: Stefan Demming, Videokünstler

Überhall (2009)

für Klarinette, Saxophon, Posaune, Schlagwerk, Violine, Kontrabass und Video

Frau Musica nova Frau Musica nova köln social composing voice and ensemble werke für ensemble zeitgenössische Musik und Club

Frau Musica (nova) 2013: Bloody Cherries

Mit dem Konzert BLOODY CHERRIES richtet Frau Musica (nova) ihren Blick auf Kompositionen für Ensemble und Elektronik der jungen polnischen Komponistin Jagoda Szmytka (*1982) und stellt zwei Verbindungslinien zu den Komponistinnen Malin Bång (*1974) und Clara Iannotta (*1983) her. Szmytka vereint in ihren Werken akustische, visuelle, räumliche, textuelle und szenische Elemente als integrale Bestandteile ihrer Musik und komponiert somit am Puls heutiger Neudefinitionen des Begriffs der Neuen Musik.

Das 2013 vom Ensemble Garage uraufgeführte Greetings from a Doppelgänger setzt sich anhand von Kontaktlautsprechern mit akustischen Doppelidentitäten auseinander. Einen Zoom auf diese Identitäten zeigt hand saw WeltAll-Stars. generously, das die Verbindung zwischen Klangerzeugung und Körperbewegung hinterfragt. Die performative Hommage sky-me type-me setzt das Individuum in einen Bezug zur virtuellen Realität während for(UN)fall und die Reminiszenz electrified memories of bloody cherries. extended Landschaft von Musik mit verstärkten Instrumenten und Gegenständen den Begriff des heutigen Komponierens und Interpretierens öffnet. In Malin Bångs urbanen Field Recorings in structures of molten light und Clara Iannottas körperlich-theatralen Al di lá del bianco finden sich Themen aus Szmytkas Musik wider, die jedoch von den beiden Komponistinnen künstlerisch und ästhetisch ganz anders behandelt werden.

Sonntag, 15.12.2013
19.00h Deutschlandfunk Köln Kammermusiksaal
Raderberggürtel 40
50968 Köln

Programm

Jagoda Szmytka
Greetings from a Doppelgänger (2013)
[UA: 08.05.2013 Ensemble Garage, Acht Brücken Festival Köln]
für Vl., Vla., Vc., Pno., Sz.+ Kontaktmikrophone und Kontaktlautsprecher

Jagoda Szmytka
sky me, type me (2011)
für vier Spieler und Megaphone

Jagoda Szmytka
for(UN)fall (2009/11)
für Kl./Bass-Klar., Vl., Pno., Sz. (Verstärkung und Zuspiel)

Clara Iannotta
Al di là del bianco (2009)
für Bass-Klar., Vl., Vla., Vc. und Elektronik

Malin Bång
Structures of molten light (2009)
für Bass-Fl., Bass-Klar., Sz., Pno., Vl., Vc. und Verstärkung

Jagoda Szmytka
hand saw WeltAll-Stars. generously (2011)
für Fl., Vl., Vla., Vc., Kb., Pno., (+Verstärkung) Dauer: 12 min

Jagoda Szmytka
electrified memories of bloody cherries. extended Landschaft von Musik (2011)
[clarinet/bass clarinet, E-guitar, cello, double bass, piano, percussion]

 

Wir danken für die freundliche Unterstützung dem Deutschlandfunk, dem Konzert des Deutschen Musikrates, der Alfred Töpfer Stiftung sowie der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit.