Public Privacy #3 Trumpet Cover (2014)

für Trompete mit Midi-Dämpfer, Video, Zuspiel und Live-Elektronik

Public Privacy 3 trumpet coverUA: 10. August 2014 Admiralspalast Berlin
Trompeter: Daniel Albrecht (Junge Deutsche Philharmonie)
Dauer: 7:30
Technik: Midi-Dämpfer, Effektgerät für Stimme (z.B. TC Helicon Voicelive 2), Projektionsfläche/Beamer und Stereobeschallung. Das Video kann via Email von der Komponistin angefordert werden.

Jeder Interpret erhält sein eigenes Video, wobei bestimmte Passagen wie Beginn/Ende mit Aufnahmen vom Live-Interpreten ersetzt werden (siehe Videoanleitung Partitur). Hierfür nimmt der Interpret selbst einige Passagen mit Kamera/Webcam auf oder vereinbart mit der Komponistin eine Skypesession, aus der er oder sie abgefilmt wird. Alle Live-Interpreten, die das Stück öffentlich aufgeführt bleiben im Video als “Youtuber” erhalten und ersetzten nach und nach die Youtube-Interpreten.

score trumpet cover

Programmtext

Public Privacy 3 Trumpet CoverMit meiner Werkreihe für Soloinstrument, Video und Zuspielung Public Privacy beschäftige ich mich mit der Dialektik zwischen dem PRIVATEN und dem ÖFFENTLICHEN, was nirgend besser zu untersuchen ist, als im Social Media Bereich. Sich kompositorisch mit Funktionsweisen und Präsentationsformen im Social Web auseinanderzusetzen bezeichne ich abgeleitet von dem Begriff aus der bildenden Kunst Social Media Art  als Social Composing.

In der Reihe Public Privacy tritt ein Live-Performer mit visuellen Youtube-Instrumentalisten in einen Dialog, wobei verschiedene Aspekte des Coverns eine zentrale Rolle spielen. Laienmusiker oder Profis ersetzen die Melodiestimme beliebter Songs durch die gleiche Melodiestimme ihres jeweiligen Instrumentes und laden das Resultat anschließend bei Youtube hoch. Spannend ist dabei einerseits, wie mit Vorstellungen von Virtuosität und der Verwendung klassischer Instrumente im heutigen Alltag umgegangen wird. Gleichzeitig geben die Videos aber auch Aufschluss darüber, wie die Begriffe des Privaten und des Öffentlichen definiert werden, wieviel ein Spieler über sich und seinen Lebensraum erzählt, über Ästhetik, über die Form der Präsentation und deren Rückwirkung auf die Musik und über das Gegenwärtige und das Abwesende einer musikalischen Performance.

Für Trumpet Cover habe ich nur einige Youtube Videos verwendet und statt dessen mit Musikern der Jungen Deutschen Philharmonie Videos erstellt und von ihnen erstellen lassen, die den Abläufen und räumlichen Umständen einer Youtube-Präsentation folgen. Somit kann keine Unterscheidung mehr zwischen Laien und Profis, zwischen virtueller und realer Präsentation erfolgen. Der Live-Trompeter covert eine Gruppe von Musikern, die wir im Zuschauerraum nicht zuordnen können und die, das ist ein noch weiterführender Schritt, zudem nur in dem Stadium der Vorbereitung auf das Musizieren agieren. „The exercises have to be done away from music.“ Das normalerweise nicht Sichtbare beim Musizieren wird herausgestellt und musikalisiert. Und dennoch bleibt die Frage, die sich auch im Social Media stellt – welche Wirklichkeit wird hier kreiert und wann sind wir öffentlich oder privat anwesend, wann nur Schablonen?