Key of presence (2014/2015)

für zwei Klaviere, Live-Elektronik und Zuspielungvita english

Key of presence (2014/15)

Auftragswerk für Grau | Schumacher Klavierduo des Eclat Festivals Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem SWR Experimentalstudio Freiburg

UA: 07.02.2105 Theaterhaus Stuttgart
Dauer: 13 Minuten
Text: Javier Salinas: „Something is coming“
Technik: Pro Klavier 2 Kontaktmikrophone auf den Saiten und ein Kondensatormikrophon, sowie jeweils ein Kontaktmikrophon an Brust und einer Holzbox. Stereoabnahme, je nach Raumgröße 5-10 Lautsprecher im Publikum für die Zuspielung

Key of presence entstand während meines Aufenthaltes in der Villa Concordia Bamberg und ist ein Stück, das sich im Laufe des Arbeitsprozesses derart transformiert hat, wie ich es aus Arbeitsprozessen bisher noch nicht kannte.

Die Entwicklung einer künstlerischen Idee in einem Vakuum, einem leeren und purisitischen Raum, der nach und nach die Gestalt der Idee annimmt war bei Key of presence undenkbar. Statt dessen gab es nur eine Drehtür zu einer Gegenwart, in der tagtäglich neue Begegnungen, Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges ein- und ausgeschleust wurden und das Gegenwärtige in Gestalt der Vergänglichkeit seine Kreise zog und mich bei der Komposition immer wieder daran erinnerte, dass ich an etwas arbeite, das der Inbegriff der Vergänglichkeit ist. Der Gedankenansatz von Key of presence ist ein außermusikalischer, ich schreibe also gerade über etwas, das die Komposition begleitet hat, aber nicht die Komposition ist. Sie kann in dem Sinne auch nicht „sein“, sie kann nur eine sich immer wieder transformierende Idee verkörpern. Ebenso verhält es sich mit dem Gedicht „Something is coming my friend“ des spanischen Schriftstellers Javier Salinas, der dieses für Key of presence eingesprochen hat. Ein Gedicht, das in einer nicht eigenen Sprache und fremdklingenden Aussprache ein Kontinuum des Erneuerns betritt.

Ein auditiver Fingerabdruck der Vergänglichkeit – ein Phänomen, für das es in der heutigen Gesellschaft keinen Platz gibt, obwohl wir tagtäglich damit konfrontiert sind. Stattdessen werden uns Mechanismen angeboten, die Vergänglichkeit zu ignorieren: mit Botox, riesigen Datenlagern, Clouds und social Freezing wird nichts anderes vermittelt, als dass die Gegenwart überlebt werden kann.

Musik ist vergänglich, ein Kontinuum des Verschwindens und ihr Abdruck ist die Resonanz, der Nachhall. Nicht mehr und nicht weniger. Zwei Pianisten triggern Resonanzen und bilden zusammen mit der Zuspielung und der Live-Elektronik verschiedene Hallräume, Nähe und Distanz zum Geschehen ab. Als Live-Player wirken sie dem Verschwinden mit all ihren Möglichkeiten entgegen und gleichzeitig sind sie das Verschwinden selbst.

Brigitta_Muntendorf_Key_of_presence

Programmtext