iScreen, YouScream!

Social Media Oper für Ensemble, Schauspielerin, Live-Video und Elektronik

ECLAT 2017 | screen, YouScream | Social Media operaMusik, Konzeption: Brigitta Muntendorf
Bühne, Konzeption: Vincent Mesnaritsch
Dramaturgie: Michael Höppner
Kostüm: Sita Messer

Klangregie: Dominik Kleinknecht
Live-Video: warped type

Ensemble: Ensemble Garage
Schauspielerin: Constanze Passin
Dirigent: Mariano Chiacchiarini
Uraufführung: 03.02.2017 ECLAT Festival Stuttgart
Dauer: 70 Minuten

Kompositionsauftrag des ECLAT Festival Stuttgart, finanziert von der Ernst von Siemens Musikstiftung 
Eine Koproduktion von Ensemble Garage & Musik der Jahrhunderte 
Mit freundlicher Unterstützung der Kunststiftung NRW & GVL Stiftung

TRAILER

Kurzer Programmtext

Zehn Musiker. Zehn schwarze Boxen. Eine Schauspielerin. Auch in einer Box. Abgeschottet. Wie kommunizieren sie miteinander? Über Monitore. Und über Clicktrack. Sie spielen zusammen, aber isoliert, ein ISOCON. Kabinenmusik oder Kammermusik? Sie müssen miteinander kommunizieren, sie wollen miteinander kommunizieren, sie werden miteinander kommunizieren. Aber wie? Indirekt. So wie immer. Über Bildschirme. Über Audio. Zehn Musiker. Zehn schwarze Boxen. Eine Schauspielerin. Auch in einer Box. Abgeschottet. Sie werden es nicht lieben. Aber sie lieben ja sich selbst. Und sie sind trotzdem eine Gemeinschaft. Aber wie? Indirekt. So wie immer. iScreen, uScream! Sendegeil. Ich sende, also bin ich. Ich bin die Gemeinschaft! Ich bin EGORCHESTER! (Was ich nicht bin? Ich bin kein Spielverderber!) Bin ich noch da? Hallo? Halloween. Hallowien. Hallo Stuttgart!

Weiterer Programmtext

Ich blicke auf eine aus schwarzen Boxen bestehende Bühnenlandschaft und frage mich, wie ich mir sicher sein kann, dass sie auch wirklich 9 Musiker, eine Schauspielerin und einen Dirigenten beherbergt. Und falls sich denn in den Boxen tatsächlich besagte Akteure befinden sollten, dann frage ich mich, auf welche Weise sie überhaupt miteinander kommunizieren können.

Ich sehe einen Kameramann zwischen den Boxen hin und her huschen und frage mich, welche der projizierten Szenen auf den drei Screens gerade vor seiner Linse stattfinden und welche schon längst stattgefunden haben.
Ich sehe Menschen, die sich inszenieren und höre die Musik, die sie produzieren. Ich höre Statusmeldungen, höre ein Tutorial, höre einen Fashion-Haul. Ich sehe Statusmeldungen, sehe ein Tutorial, sehe einen Fashion-Haul. „Ich höre Bilder klingen“, höre ich jemanden neben mir zu seiner Nachbarin sagen. Ich höre ein Ganguro-Girl und sehe eine Liebe, ich höre eine Selbstoptimierung und sehe ein EGOrchester, betrachte einen getanzten Beethoven, sehe geklonte Klassik und höre die Inszenierung durch Selbstinszenierung.

Ich bekomme eine Ahnung davon, wie wir als voneinander isolierte Individuen mit unseren digitalen Abbildern und Stellvertretern Gemeinschaften bauen. Ich frage mich, was in einer solchen Gesellschaft überlebt und was untergeht. Wer gewinnt und wer verliert. Ich frage mich, wie diese Menschen in ihren Boxen ihr Bedürfnis nach Nähe, Liebe und Anerkennung stillen. Ich frage mich, welche Resonanzen zählen.
Liebst du noch oder wirbst du schon? Bist du präsent genug, bist du resonanzfähig? Bist du dein Archiv? Lebst du dein Archiv? Lebst du dein Leben weg? Oder was jetzt?!